25.11.2011 Danke, Ludwig!
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Die Platte ‚Dunkelgraue Lieder‘ war damals eine Reaktion auf Wien. Ich kam aus Deutschland zurück, wo ich am Theater eine lustige und aufregende Zeit erlebt hatte und dann war ich im Theater an der Josefstadt, wo ich mich überhaupt nicht wohl gefühlt hab. Da wollt ich reagieren und hab mir gedacht, ich muss noch dunkler und böser sein, als die Stadt auf mich wirkt. Was mir aber immer wichtig war, auch wenn die Geschichte noch so dunkel und finster war, ein Hauch von Skurrilität und Witz‘ –
Ludwig Hirsch im Oktober 2011.
So grau die Stadt auch damals war, so dunkelgrau die ersten Lieder des
Ludwig Hirsch, die er 1977 seinem späteren Manager Karl Scheibmaier in
die Hand drückte auch wirken mochten, der Mensch selbst, er war viel
weniger grau, viel mehr eine behutsam herausragende Erscheinung in der
österreichischen Kulturlandschaft. Ludwig Hirsch der
Geschichtenerfinder, der Geschichtenerzähler der durch seine Stimme
diesen Geschichten auf besondere Art Leben einhauchen konnte. Hirsch der
Mensch, unprätentiös, menschlich, nie abgehoben. Ein Denker, still
wirkend, hoch kreativ mit sich und seinem Tun beschäftigt.
Seine musikalische Karriere begann 1978 und hob mit den ‚Dunkelgrauen
Liedern‘ aus dem Stand ab. In den darauffolgenden 33 Jahren war er
geliebter, beliebter, geachteter und von Publikum und Kollegen
gleichermaßen geschätzter Teil der österreichischen Musikszene.
Der geborene Steirer zog als Kind nach Wien. Er wuchs im 2. Wiener
Gemeindebezirk auf. Leopoldstadt. Ein Viertel Wien unplugged. Prater,
Karmelitermarkt, Augarten, Mazzesinsel... Der Zweite in den 60ern - das
hieß von Schwarz rüber bis Weiss, dazwischen sämtliche
Grau-Schattierungen. Ein Biotop für Geschichten aber es wäre falsch den
Autor Ludwig Hirsch auf seine morbiden, melancholischen Textschöpfungen
zu reduzieren. ‚Erinnern wir uns an die Liebe’ und ‚Gel‘, du magst mi‘
(1983) mit dem ‚picksüssen Elvis‘, an die ‚Landluft‘ (1986) samt ‚Alles
paletti‘, an ‚Bis zum Himmel hoch‘ (1982), ‚Sternderl schaun‘ (1991)
oder seine Interpretation des ‚Hobelliedes‘.
Fünf Jahre ist es nun bereits her, da stellte er mit ‚In Ewigkeit Damen‘
sein bisher letztes Musik-Studioalbum vor. ‚In Ewigkeit Damen heißt für
mich, den Hut zu ziehen, eine kleine Verbeugung. Es war einfach an der
Zeit’, erzählte er damals. Wie? Die 14. CD eine Liebeslebensbilanz des
Ludwig Hirsch? ‚Aber nein’, er winkte ab. ‚Es sind Geschichten. Alles
erfunden, so wie jedes meiner Lieder eine Geschichte ist. Ich schaffe es
irgendwie in fremde Umgebungen, Situationen zu schlüpfen und daraus
wachsen dann Geschichten aus denen Lieder werden’.
Mit ‚Ludwig Hirsch liest Ludwig Hirsch‘ hinterlässt er uns seine
Geschichten und seine Stimme in unverpackter Form. Es fehlt die Musik.
Er liest seine Texte. In Wirklich ist es jedoch mehr als lesen, mehr als
Vortrag. Es ist die literarische Essenz. Auf gewisse Weise doppelt
gebrannt und schon mit den Geschichten des ‚Till Eulenspiegel‘ (2010)
ließ sich erkennen, dass er dem Format Hörbuch durch seine Stimme, die
Art wie er die Texte vorbrachte, eine nicht beschreibbare, auf ihre Art
magische Komponente hinzufügte, welche die Geschichten für die
ZuhörerInnen lebendig werden ließen.
Ludwig Hirsch war Wien. So sehr Wien wie wenige andere Künstler die in
dieser Stadt kreativ tätig sind. An einem nebelverhangenen, kalten,
dunkelgrauen Spätherbsttag hat er sich von uns verabschiedet. Er tat es
auf seine Art. Es wird ihm wohl klar gewesen sein, dass eine reißerische
Darstellung dieses Abschieds in den Medien die logische Konsequenz sein
wird. Dem wollen wir nichts mehr hinzufügen. Vielmehr verbeugen wir uns
vor einem großen Künstler und Menschen und sagen zum Abschied leise
‚Danke, Ludwig‘.
Das Team der Universal Music Austria.