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K'naan - Troubadour



Katalognummer: 2741554
VÖ-Datum: 21.05.2010
Konfiguration: CD
Label: A & M Records

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[1] T.I.A.
3:38
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[2] ABC's
3:10
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[3] Dreamer
4:32
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[4] I Come Prepared
4:09
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[5] Bang Bang
3:07
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[6] If Rap Gets Jealous
3:40
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[7] Wavin' Flag
3:41
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[8] Somalia
3:34
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[9] America
4:46
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[10] Fatima
5:02
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[11] Fire In Freetown
4:37
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[12] Take A Minute
4:07
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[13] 15 Minutes Away
4:56
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[14] People Like Me
6:17
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[15] Does It Really Matter
3:54
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[16] Wavin' Flag
3:33
Audio
[17] Wavin' Flag
3:30

 
K’NAAN „Troubadour“ VÖ: 21. Mai 2010

Somalia. Ein Wort, bei dem man unweigerlich an grausame Zerstörung, brutale
Kriegsherren und Schreckensszenarien denkt, die sich kaum in Worte fassen lassen.
Vor dem inneren Auge erscheint ein Ort, wo wirklich niemand – nicht einmal Kinder,
Alte oder Geistliche – vor den Gräueltaten des Kriegs sicher ist, und wo der Begriff
"Kindheit" zwar durchaus für den ersten Lebensabschnitt steht, nicht aber für all das,
was man gewöhnlich in Europa damit verbindet. Schließlich laufen in Somalia schon
Achtjährige mit Maschinengewehren herum, anstatt sich mit Spielzeug die freien
Nachmittage zu vertreiben. Als das Forbes Magazine vor einiger Zeit die Liste der
"gefährlichsten Orte der Welt" veröffentlichte, landete Somalia noch vor dem Irak und
Afghanistan auf Platz #1...
Dabei ist Somalia zugleich auch "die Nation der Dichter" und somit ein Ort, an dem
ein Gedicht Frieden stiften und Kriege beenden kann. So werden auch hier Woche
für Woche Theaterstücke aufgeführt und Konzerte gegeben – ein zweites Somalia
also, von dem die Medien weitaus seltener berichten.
Genau zwischen diesen beiden Welten, diesen zwei Gesichtern Somalias, ist K’naan,
bürgerlich Kaynaan Warsame, aufgewachsen. Als Enkel von Haji Mohamed, einem
der berühmtesten Dichter des Landes, und Neffe der international berühmten
Sängerin Magool, hat der 31-jährige Musiker und Rapper seine ganz eigene
Mischung aus Reggae, Funk, Pop, Soul und HipHop geschaffen. Wie unvergleichlich
diese Mischung ist, zeigt er auf seinem zweiten Album "Troubadour", das am 21. Mai
in Österreich erscheint.
Die neue LP überzeugt mit eklektischer Vielfalt und musikalischem Feingefühl:
Größtenteils in den legendären Tuff Gong Studios sowie in Bob Marleys ehemaligem
Privatstudio in Kingston, Jamaika aufgenommen, zu dem K’naans Freunde Stephen
und Damian Marley den Schlüssel hatten, hat er einen HipHop-Meilenstein
geschaffen, der sich mit nichts vergleichen lässt. Aus Samples und Live-Instrumenten
kreiert er einen Sound, in dem traditionelle afrikanische Melodien auf klassische
HipHop-Elemente treffen – und zusammen etwas vollkommen Neues ergeben.
"Mittelmäßigkeit interessiert mich nicht", sagt der Rapper. "Für mich muss Musik
bedeutsam sein, sonst gibt sie mir nichts. Wenn ich nichts zu sagen hätte, würde ich
einfach meine Klappe halten." Zum Glück hat er jedoch jede Menge zu sagen: Ganz
gleich, ob er die Folk-Gitarre auspackt oder diejenige Hammond-Orgel einsetzt, die
schon auf Bob Marleys "Exodus"-Album zu hören ist, gelingt ihm stets der Balanceakt
zwischen ernsthaften Rückblicken in Kindheitstage und wortgewandter Prahlerei à la
Big Daddy Kane, mit der er direkt an die "Heydays" der frühen Neunziger anknüpft.
Diese gelungene Gratwanderung war es auch, die K’naan schon für sein Debütalbum
"The Dusty Foot Philosopher" nicht nur einen Juno Award (das kanadische Pendant
zu den Grammys) in der Kategorie "bestes Rap-Album des Jahres" bescherte,
sondern auch eine Auszeichnung von BBC Radio 3 und eine Nominierung für den
Polaris Music Prize (dem kanadischen Shortlist Music Prize, wenn man so will).
Es wäre nahe liegend, K’naan allein aufgrund seiner Herkunft als "politischen
Rapper" abzustempeln. Doch wäre das nicht nur zu einfach, sondern auch
schlichtweg falsch: Seine Texte haben nichts mit dem gemeinsam, was manche
Rapper von sich geben, die ihr Mikrofon mit der Kanzel verwechseln und wie astreine
Prediger den Zuhörern unbedingt ihre Ansichten eintrichtern wollen. Es sind keine
musikalischen Leitartikel; dann schon eher gut recherchierte Storys, die auf der
Titelseite einer Zeitung landen würden. "My job is to write just what I see/So a visual
stenographer is who I be", lautet eine Zeile aus "I Come Prepared" – ein sachlicher
Reporter also, der visuelle Eindrücke festhält und kommuniziert. Gewiss hat auch er
seine Ansichten, aber auf "Troubadour" steht das Songwriting ganz klar an erster
Stelle; Predigten sind allenfalls zweitrangig.
Während seiner Kindheit kam K’naan laut eigener Aussage so gut wie gar nicht mit
westlicher Musik in Kontakt – er kannte "nur Bob Marley und Tracy Chapman", wie er
berichtet. Nachdem der 10-Jährige jedoch im Auto des Freundes einer Cousine ein
paar Takte irgendeines Rap-Tracks gehört hatte, war es um ihn geschehen – da
konnte die Soundqualität noch so schlecht sein. "Ich hörte eine Strophe, die sich
reimte, aber ich hatte keine Ahnung, was das eigentlich sein sollte", erinnert er sich.
"Dann berichtete ich meinem Vater davon, der nach New York gegangen war, um
Geld für unsere Familie zu verdienen, und er sagte nur: ‘Das war HipHop, was du da
gehört hast.’"
Als wenige Wochen später das "Paid In Full"-Album von Eric B. & Rakim in der Post
ankam, lernte K’naan eine vollkommen neue Welt kennen: Eine Welt, in der
Rhythmen und Sprachgefühl alles waren. "Ich lernte ‘Eric B. is President’ auswendig,
und ich konnte den Track genau wie Rakim rappen", berichtet er. "Normalerweise
stand ich vor unserem Haus, und die ganzen Kinder aus der Nachbarschaft konnten
zuhören. Dann schnappte sich irgendein Junge ein paar Stöcke und machte einen
Beat. Keiner von uns, ich eingeschlossen, hatte auch nur einen blassen Schimmer
davon, was die Worte eigentlich bedeuten sollten. Stattdessen verließ ich mich voll
und ganz auf den Rhythmus und das Gefühl, diese Energie, die dieser Track hatte.
Zugleich wusste ich dadurch schon, wie die Sprache klingen musste, als ich dann
irgendwann richtig Englisch lernte."
Meilensteine wie "Paid in Full" waren es auch, die K’naan zumindest für den Moment
vergessen ließen, dass um ihn herum Waffen abgefeuert wurden und ein Blutbad das
nächste jagte. Er war gerade mal 14, als Warlords ihn und drei seiner Freunde
angriffen – gewiss nur eines von unzähligen Bildern, die sich während seiner Jugend
in die Erinnerung einbrannten. Nach einer Verfolgungsjagd durch die Straßen von
Mogadischu waren die vier Jungs schließlich in einer kleinen Gasse eingekesselt,
und die Männer begannen auf sie zu schießen. K’naan selbst blieb unverletzt; doch
seine drei Freunde wurden brutal umgebracht.
Traumatische Erlebnisse wie dieses glorifiziert der Rapper keineswegs auf
"Troubadour"; er hat es nicht nötig, derartige Geschehnisse übertrieben zu schildern,
um irgendwelche Effekte zu erhaschen. "Natürlich gibt es viele Menschen, die in den
US-amerikanischen und kanadischen Großstadtghettos leben und denen es richtig
mies geht; aber in Somalia ist das Leben so viel schwieriger und das Gewaltproblem
ist noch viel, viel größer", meint K’naan. "Wer sich sagt ‘Hey, ich bin aus den Slums.
Uns geht’s mies. Wir haben Knarren’, der sollte dabei auch bedenken, dass das alles
auch noch ganz anders aussehen könnte. So gesehen spreche ich natürlich die
klassische Sprache des HipHop, in der sich alles um das Leben in harten Gegenden
dreht. Doch wenn wir schon von harten Gegenden sprechen, dann haben wir es hier
mit der Mutter aller harten Gegenden zu tun."
Besorgt über die Zukunft ihrer Familie, ging K’naans Mutter jeden Tag zur USBotschaft
in Mogadischu, um das ersehnte Visum zu bekommen und dem Schrecken
zu entkommen. Tag für Tag bekam sie eine Absage, ließ aber nicht locker, und
schließlich gelang es ihr, am letzten Tag vor der Schließung der Botschaft die
Einreisegenehmigung zu ergattern. "Ein unbeschreibliches Gefühl war das", sagt
K’naan. "die ultimative Erlösung. All diese Hoffnungen, die man mit sich
herumgeschleppt hatte, und dann wurde dieser Traum vom einen auf den anderen
Tag Wirklichkeit. Ehrlich gesagt hat sich meine ganze Weltsicht dadurch verändert:
Erst da war mir klar, wie wertvoll das Leben doch eigentlich ist." Mit nur wenig Hab
und Gut und ohne jede Englischkenntnisse nahmen K’naan und seine Familie den
letzten regulären Flug von Mogadischu nach New York City, woraufhin sie sich in
Toronto niederließen...
"Troubadour" ist das Ergebnis dieser Erfahrungen und geht zugleich weit darüber
hinaus: Da K’naan die letzten Jahre so gut wie pausenlos auf Tour war und seine
Message den Leuten persönlich überliefert und dabei musikalisch an Größen wie Bob
Dylan, Fela Kuti und Mos Def angeknüpft hat, funktioniert sein zweites Album wie das
vertonte Manifest eines Künstlers, der extrem viel zu sagen hat. Und von dem man in
den kommenden Jahren noch sehr viel mehr hören wird. All denjenigen, die
behaupten, dass in der HipHop-Welt nichts Spannendes mehr passiert, beweist er,
dass es nur darauf ankommt, wohin man seinen Blick richtet...
 

TAIO CRUZ Closer to the Stars
 
The Throne Sky