Lady GaGa - The Edge Of Glory
Katalognummer: 2777144
VÖ-Datum: 08.07.2011
Konfiguration: CDs
Label: Universal Music
„The Fame“
Als
Lady GaGa noch ein Kind war, schnappte sie sich immer ihren kleinen
Spielzeug-Kassettenrecorder und sang die Hits von Michael Jackson und Cyndi
Lauper mit, wenn ihr Vater sie nicht gerade zum Sound der Beatles oder der
Stones durch die Luft wirbelte. Ansonsten tanzte die frühreife „Lady“ auch
gerne in Nobelrestaurants an der Upper West Side auf den Tischen herum und
verwandelte Knabberstangen dabei kurzerhand in Dirigentenstäbe. Außerdem war
auffällig, dass sie sich neuen Babysittern jedes Mal so unschuldig wie
selbstverständlich in ihrem Geburtstagsanzug präsentierte...
Bedenkt man diese Aspekte ihrer Kindheit, verwundert es kaum, dass sich das
kleine Mädchen, das in einer wohl situierten New Yorker Familie mit
italienischen Wurzeln aufwuchs, zu einem leicht exhibitionistisch veranlagten
Multitalent und zu einer Singer/Songwriterin mit ausgeprägtem Hang zu schrillen
Performances entwickelt hat, oder besser: zum Phänomen namens Lady GaGa.
„Ich war schon immer eine Entertainerin. Schon als kleines Mädchen habe ich
mich andauernd in Szene gesetzt, und im Grunde genommen mache ich das auch
heute noch“, setzt die 22-Jährige an, die sich mit ihrer Dance-Pop-Hymne
„Beautiful Dirty Rich“ in der Clubszene der Lower East Side schon längst einen
Namen gemacht hat. Nicht ganz unwichtig waren dabei ihre leicht ironischen
„Shock Art“-Performances – die Bezeichnung spricht Bände –, in deren Rahmen
sich GaGa, die ihre Bühnen-Outfits übrigens selbst anfertigt, nicht nur von
ihrer wildesten Seite präsentierte, sondern ihre in Eigenarbeit gefertigten
Hüllen auch nach und nach bis auf Hot-Pants und Bikini-Oberteil fallen ließ,
ein paar Dosen Haarspray zu Feuerwerkszwecken einsetzte und schließlich eine
lässige Pose einnahm, während die Discokugel langsam zu den Klängen von „A
Clockwork Orange“ heruntergefahren wurde.
„Rock und Pop und Theater waren schon immer meine Welt. Als ich dann Queen und
David Bowie entdeckte, machte das auch plötzlich vollkommen Sinn. An dem Punkt
wurde mir nämlich klar, dass ich alle drei Bereiche miteinander kombinieren
kann“, sagt GaGa, die sich ihren Künstlernamen übrigens von Queens „Radio
Gaga“-Klassiker entliehen hat. Fragt man sie dann nach ihren Vorbildern in
Sachen Fashion, nennt sie Peggy Bundy und Donatella Versace in einem Atemzug.
„Sie alle sind meine Ikonen, meine Kunst-Ikonen. Denn es geht um mehr als nur
um die Musik. Die Performance ist wichtig, die Haltung, der ganze Look – das
alles gehört zusammen. Das ist die Welt, die mir als Künstlerin vorschwebt; das
ist die Richtung, in die ich gehen will.“
Zwar klingen ihre Ziele nicht gerade bescheiden, aber ein flüchtiger Blick auf
die Vita der 22-Jährigen genügt, um zu erkennen, dass sie definitiv das Zeug
dazu hat: Schließlich hat Lady GaGa schon im zarten Alter von vier Jahren
Klavierspielen gelernt – und zwar einzig und allein nach Gehör. Mit 13 hatte
sie schon ihre erste Klavierballade komponiert. Als 14-Jährige trat sie dann
abends bei Open-Mic-Veranstaltungen in Clubs wie dem „Bitter End“ auf, während
ihre Klassenkameraden an der Convent of the Sacred Heart School (diejenige
Privatschule, die auch Nicky und Paris Hilton besucht haben) sie tagsüber für
ihren extravaganten und exzentrischen Style hänselten. Weitere drei Jahre
später war sie eine von 20 auserwählten Teenagern, die schon vorzeitig an der
Tisch School of the Arts (an der New York University) zugelassen wurden, obwohl
sie noch gar nicht das nötige Alter erreicht hatten. Schließlich unterzeichnete
sie noch vor ihrem 20. Geburtstag einen Vertrag und schrieb von nun an Songs
für andere Popgrößen: u.a. für die Pussycat Dolls, doch hat Lady GaGa auch
schon für diverse andere Interscope-Künstler komponiert. Betrachtet man also,
was sie schon vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums alles geschafft hat,
klingen ihre Ziele plötzlich gar nicht mehr so abgehoben. Im Gegenteil: Sie
klingen nahe liegend.
„Mein Ziel als Künstlerin ist es, ein Popalbum zu machen und es den Leuten auf
vollkommen neuartige Weise zu präsentieren“, sagt GaGa weiterhin, die für „The
Fame“ (Streamline/Interscope/KonLive), so der Titel ihrer Debüt-LP, sämtliche
Texte und Melodien im Alleingang geschrieben und auch einen Großteil der
Synthesizer-Parts selbst eingespielt hat.
„Man könnte fast sagen, dass ich die Leute mit einem wirklich coolen Ansatz
ködern und in meine Popwelt zerren will. Ich präsentiere ihnen ein Stück
Zucker, und dann ist da noch die Medizin – das bin ich.“
Dabei ist die Dosierung, die GaGa für „The Fame“ gewählt hat, genau genommen
noch eine andere: Zwei Teile Dance-Pop auf einen Teil Electro-Pop und einen
Teil Rock, diese Mischung in den Mixer, ein Schuss Disco und ein paar burleske
Varieté-Elemente dazu und dann großzügig auf klangliche Martini-Gläser
verteilen – fertig. Eine Mischung, die sofort ins Blut geht, die Hüfte in Bewegung
setzt und schon bald zum einen oder anderen „Fame“-Gelage führen dürfte.
„Das Album handelt davon, wie sich heute jeder wie ein Star fühlen kann“,
erklärt sie. „Popkultur ist Kunst. Man ist nicht automatisch cool, nur weil man
Popkultur verabscheut, also habe ich mich voll und ganz darauf eingelassen, was
man auch deutlich auf `The Fame´ hören kann. Es geht um Ruhm, aber um eine Art
von Ruhm, die man mit anderen Menschen teilen kann. Jeder ist zu dieser Party
eingeladen. Ich will ein Lebensgefühl mit den Leuten teilen; die Zuhörer sollen
sich als Teil dieses Lifestyles fühlen.“
Schon das Eröffnungsstück des Albums, „Just Dance“, das auch als erste Single
erscheint, zwingt einen mit „einem ausgelassenen Vibe, der nach einer Party in
L.A. klingt“, auf die Tanzfläche. Ähnlich eingängig ist auch „Boys Boys Boys“,
bei dem sich GaGa ihre klanglichen Vorbilder ganz offen auf die Fahne schreibt:
„Ich wollte das Pendant zu `Girls Girls Girls´ von Mötley Crüe schreiben und
dem Stück dabei meinen ganz persönlichen Stempel aufdrücken. Es sollte ein
Popsong sein, auf den auch Rocker abgehen.“
„Beautiful Dirty Rich“ hingegen ist ein Bericht über die Phase ihrer
Selbstfindung, über das Leben in der Lower East Side mit all den Partys und
Drogenexperimenten. „Das war eine Phase, in der ich auf viele Fragen eine
Antwort gesucht habe“, sagt GaGa. „Doch als ich dann zu dem Entschluss kam,
mich auf die Musik zu konzentrieren, bemerkte ich schon sehr bald, dass sie mir
viel mehr gibt als das ganze Partyleben.“ Der Song „Paparazzi“ klingt zunächst
wie ein Liebeslied, das den Kameras und Blitzlichtern dieser Welt gewidmet ist,
und auch GaGa gesteht lachend, „dass der Song in gewisser Hinsicht tatsächlich
davon handelt, die Paparazzi zu umwerben und auf den Ruhm einfach nur scharf zu
sein. Allerdings darf man diese Aussage nicht allzu ernst nehmen. Mir geht es
letztlich darum, wie viele Menschen heutzutage von dieser Idee besessen sind.
Und dann stelle ich in diesem Song die Frage, ob sich ein Leben im
Blitzlichtgewitter mit einer funktionierenden Beziehung vereinen lässt –, oder
ob man zwischen Erfolg und wahrer Liebe wählen muss.“
Ihren Hang zu seichteren Liebesliedern präsentiert GaGa zum Beispiel mit „Brown
Eyes“, ein von Queen beeinflusstes Stück, und dem süßlich-direkten Trennungssong
„Nothing I Can Say (Eh Eh)“. „Mit `Brown Eyes´ kehre ich meine verletzliche
Seite nach außen“, erläutert sie. „Und `Eh Eh´ ist ein astreiner Popsong, der
von der Suche nach einem neuen Freund handelt, nachdem man die letzte Beziehung
beendet hat.“
Zwar hat Lady GaGa mit ihrem Auftritt beim Lollapalooza-Festival 2007 und ihrer
im März 2008 absolvierten Performance bei der Winter Music Conference bereits
für jede Menge Aufsehen gesorgt, doch plant sie für die kommende Tour eine
leicht abgeänderte – sprich: ausgefeiltere – Bühnenshow: „Die neue Show ist,
wenn man so will, die Haute-Couture-Version derjenigen Performance, die ich in
den vergangenen Jahren in den New Yorker Clubs präsentiert habe. Insgesamt ist
sie viel besser durchdacht, obwohl die zentralen Elemente – also die
Discokugel, die Hot-Pants, der Pailletten-BH und hochhackige Schuhe – auch
weiterhin zum Einsatz kommen werden. Nur ist die neue Show noch viel wilder und
ausgefeilter; sie geht mehr in Richtung Pop-Performance-Kunst.“
Heutzutage sind Popmusiker, die den klassischen Weg gehen und sich aus eigener
Kraft hocharbeiten, eher eine Seltenheit. Anstatt Auftritte in zwielichtigen
Clubs zu absolvieren und die Promotion auf eigene Faust zu erledigen, versucht
es jeder auf dem direkten Weg; so stammen viele Popstars inzwischen eher aus
Casting-Shows, aus Vorabendserien oder schlichtweg aus Familien, die schon
vorher berühmt waren. Lady GaGa ist die Ausnahme zu dieser Regel. „Ich habe die
Dinge so angegangen, wie es sich gehört. Ich habe in jedem Club in ganz New
York City auf der Bühne gestanden: zunächst waren es Reinfälle, dann konnte ich
die Fans irgendwann für meine Show begeistern, und während ich diese Lektionen
gelernt habe, fand ich als Künstlerin zu mir. Ich habe gelernt, wie man als
Musikerin überleben und wie man sich treu bleiben kann – und wie man
Rückschläge wegsteckt. Und dann habe ich gelernt, wer ich als Sängerin und
Performerin sein will. Und die ganze Zeit über habe ich unglaublich hart an mir
gearbeitet.“
Abschließend fügt Lady GaGa noch augenzwinkernd hinzu: „Und jetzt will ich
einfach nur Schritt für Schritt die Welt verändern – und dabei eine Pailette
nach der anderen freilegen.“
















