Rechtzeitig zum 60. Geburtstag von WOLGANG AMBROS gibt es die ultimative Liedersammlung "ALT & JUNG" auf 2 Doppel-CDs (80 Songs)!
‚Steh grod‘ hat er 2006 gesungen und mit ein bissl Phantasie, lässt sich
aus dem am CD-Cover abgebildeten Röntgenbild eines Rückgrats samt
Beckens, auch eine Gitarre herauslesen. Wär’s ein Rorschachtest, als
Musikfreund käme wohl die Gitarre dabei raus. Die CD ‚Steh grod‘ war ein
Zeichen. Der Herr Ambros ist damals von der Heurigenbank aufgestanden,
hat dem alten Moser noch einmal zugeprostet und ist mit diesem Album
zurückgekehrt in den Wienerwald. Vor ‚Steh grod‘ war das Leben des
Künstlers 35 Jahre lang am ehesten mit ‚turbulent‘ zu beschreiben.
Nachzulesen in der 2011 erschienen Biografie.
Für Wolferlologen beginnt dieses Leben zumeist im Jahr 1971: Ein Herr
Hofer wird vom Mob zertreten und findet sich im Rinnsal wieder. Sein
Schicksal ist Radio zu hören. Ö3 war keine vier Jahre alt und traute
sich viel. Spielte die Platte. Der tote Hofer, ein österreichisches
Erweckungserlebnis. Ungeschminkter Dialekt, kein liebenswürdiges
Heurigen-Geraunze über das Goldene Wienerherz. Der Wiener Dialekt in
seiner vollen Härte im Radio. Was so in der Republik nie zuvor gehört
und schon überhaupt nicht gesendet wurde, kam wie Wasser bei einem
Rohrbruch über das Land und verpasste demselben eine neue
Songwriter-Identität. Wolfgang Ambros war damals 19 Jahre alt. Seine
Lieder und vor allem die Texte waren es, die eine ganze Generation durch
die Pubertät begleiteten, in denen man sich wiederfinden konnte und die
immer wieder auch für Reibungshitze sorgten. In ‚Tagwache‘ setzte er
sich mit dem Bundeheer auseinander und schon fanden das die Altvorderen
wieder gar nicht gut. ‚Weiß wie Schnee‘ oder ‚Du schwoazer Afghane‘
waren ein Statement, ‚Gezeichnet fürs Leben‘ und ‚Hoffnungslos‘ Hymnen
für Heranwachsende. ‚Es lebe der Zentralfriedhof‘, ‚I drah zua‘,
‚Schaffnerlos‘ Lieder so sehr Wien, dass man die eigentliche Herkunft
Niederösterreich nicht glauben mag.
Aber es ging stets auch rustikaler: ‚Der Watzmann‘, ‚Schifoan‘ oder die
Mitgröler wie ‚Hoit, do is a Spoit‘, ‚Eibischzuckerl‘, ‚Zwickt’s mi‘,
‚Gö, da schaust‘… die Liste ließe sich noch ewig fortsetzen und zwischen
all den Hits fanden sich auch immer wieder Lieder die im Schatten
blühten. ‚Kagran‘, ‚Oid wurdn‘ oder ‚Die Sunn geht boid auf‘. Lieder,
die bei jedem Mal anhören neue Facetten eröffneten.
Es gibt nun zwei Doppel-CDs die auf bestimmte Art das Werk des Künstlers
Wolfgang Ambros würdigen und mit diesen beiden Alben ist es zum ersten
Mal gelungen, die Hits, die legendären Lieder, auf vier CDs in
Originalfassung zu packen. Original heißt vor allem: keine
Re-Recordings. Einiges wurde behutsam durch digitales Re-Mastering in
die Jetzt-Zeit geholt, einfach weil Magnettonaufnahmen auch bei guter
Lagerung technisch altern und die Jahre nicht geräuschlos an den Bändern
vorüber gehen. Die Wurzel für diese Liedersammlung bleibt aber das
jeweilige Original-Master und an legendären Aufnahmen ist ja einiges
zusammen gekommen, seit dem 71er Jahr.
ALT&Jung bzw Alt&JUNG unterscheiden sich deutlich von den
diversen ‚Best Of‘s‘ und was da sonst noch alles bereits existiert, denn
im Laufe der Karriere hatte W.A. einige unterschiedliche
Vertragspartner und die Rechte der Lieder über die Jahre auf
verschiedene Deals verteilt. Erstmals ist es nun gelungen von den
Atom-Jahren (PolyGram) über die Bellaphon-Zeit bis zur BMG-Ära die
Tracks auf vier Scheiben zu packen. Und: Es gibt auch ein neues Lied.
Kein ausgegrabenes altes Demo, sondern ‚Geburtstag‘ hat nicht nur einen
programmatischen Titel, es ist auch der Vorbote zu einem ganz neuen
Album mit ganz neuen Songs.
Sechs Jahre nach ‚Steh grod‘ kommt am 20. April ‚190352‘. Der
Album-Titel ist das Datum, welches im Reisepass des Herrn Ambros steht
und dem auch am 9.3.2012 in einer TV-Doku bei ORF1 entsprechend viel
Raum eingeräumt wird. Nachgegangen wird darin unter anderem der Frage,
welchen Einfluss Lieder wie ‚Tagwache‘ auf uns gehabt haben. Haben sie
das Leben verändert? Wahrscheinlich eher die Sichtweise aufs eigene
Leben aber mit Sicherheit die österreichische Popularkultur.
Wolfgang Ambros war nie der glitzernde Showstar, nie Everybodys Darling,
er ist, auf seine Art, stets bei sich selbst geblieben auch wenn das
anderen manchmal wehtat. Der Mensch Ambros ist wie der Wienerwald. Wenn
man laut hineinruft, kommt es ebenso deutlich zurück. Das verträgt nicht
jeder, schon gar nicht im Showgeschäft, wo viele Karrierewege von
Kulissen gesäumt sind. Doch auch sein Grummeln, Knurren, Schweigen und
Granteln ist genau das, was in seinem Fall den Künstler und Menschen
auszeichnet. Er ist wie er ist und ohne diese Authentizität wären nie
solche Lieder entstanden. Ohne diesem Gesamtpaket mit dem Kürzel W.A.
hätte Liedgut im Wiener Dialekt gesungen noch immer diese klebrige Süße.
Was für ein grauslicher Gedanke!
Bleib senkrecht, Wolfgang Ambros und ‚Steh grod‘, das Land braucht dich!
-Andy Zahradnik, Autor „Der Musikmarkt“-
Mehr Infos unter
www.wolfgangambros.at